Positives Denken und der Wunsch-Kult

Aktualisiert: Apr 16

Ab den späten 80er-Jahren begannen Bücher zum "Positiven Denken" und Kurse zum "erfolgreich Manifestieren" immer populärer zu werden. Auch heute noch erfreuen sich sogenannte "Erfolgs- und Manifestations-Coaches" regen Zulauf und sind allerlei Medien zum Thema "Positives Denken" immer noch Bestseller!

Gleichzeitig vernimmt man aus diversen Foren und aus vereinzelten Gesprächen im Vertrauen immer wieder Zweifel an den vorgestellten Methoden und Techniken, weil viele Menschen die Erfahrung machen, dass sich nicht die in Aussicht gestellten Erfolge einstellen! Auch ich habe den Weg dieser Erkenntnis selber beschritten und werde von meinen Beobachtungen, Lernerfahrungen und Einsichten berichten.

Positives Denken soll, so verspricht man vielerorts, Umstände zum Besseren verändern, wenn man sich auf eine positiv erscheinende Perspektive der Dinge einlässt und diese verstärkt in seine Wahrnehmung nimmt. Dies kann bereits ein interessanter und manchmal auch wertvoller Hinweis sein, wenn es darum geht, Menschen begreiflich zu machen, dass Umstände immer auch mehrere Perspektiven haben. Das alleine ist Vielen vielleicht gar nicht so selbstverständlich! Doch ist dem Betroffenen damit geholfen? Dem depressiv Erkrankten gelingt es zwar, anzuerkennen, dass er eine tolle Beziehung hat, schön wohnt und sonst auch materiell gut versorgt ist, aber kann die Verlagerung seiner Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge seines Lebens helfen, seiner Stimmung Auftrieb zu verleihen?

Die heutzutage unzählig angebotenen Kurse, Bücher und Vorträge zum "Manifestieren" von Glück, einer tollen Beziehung, Reichtum und Erfolg schlagen viele in eine ähnliche Kerbe! Der rote Faden ihrer Anleitungen spricht davon, sich den Wunschzustand -also Gesundheit, Reichtum, Erfolg- sich mental vorzustellen und am besten auch emotional "vorweg spüren", bis er dann hoffentlich schnell eintritt!

Mit der theoretischen Begründung, dass man dann über das Resonanzgesetz diesen ersehnten Zustandes in sein Leben zieht und sich dieser möglichst bald in der physischen Realität wiederfindet.

Auch hier habe ich bereits geteilte Erfahrungen dazu erlebt und auch von anderen gehört.

Der gemeinsame Nenner dieser zwei Ansätze ist, wenn man genau hinsieht, folgender:

Beide Ansätze gehen davon aus, dass der Jetzt-Zustand nicht der persönlichen Vorstellung entspricht und deswegen als veränderungswürdig eingestuft wird. Daher macht man sich ja entweder auf die Suche nach einer angenehmer erlebten Perspektive auf die Situation oder mentalisiert und imaginiert gleich eine als subjektiv als besser eingestufte Wunschversion seines Lebens.

Was hier passiert, ist folgendes: wir lehnen gleichermaßen genau das ab, was aktuell unserer Situation entspricht. Wenn wir uns im Moment nicht wohl fühlen, dann mag es zwar kurzfristig helfen, uns durch eine andere Sichtweise "abzulenken" oder durch "Wunschdenken" was Neues herbei zu hoffen bzw. zu wünschen, aber unsere Situation ist immer noch genau diese. Ich habe oft erlebt -bei mir und anderen-, dass Veränderung genau dann nicht passiert, wenn nicht die Gegenwart angenommen werden kann!

Wenn man sich selbst nicht im Spiegel nicht ansehen kann und sich jeden Tag Affirmationen ins Gesicht sagt, man sei schlank und attraktiv, dann belügt man sich in dem Moment und arbeitet gegen seine eigene Wahrnehmung.

Entwicklung ist naturgegeben und daher ist es auch legitim, sich weiterentwickeln zu wollen, doch das geht sicher nicht über Täuschung und Lüge! Gelungene Seelenarbeit besteht meiner Erfahrung darin, den momentanen Zustand und die momentane Situation anzunehmen - alles hat seinen Grund: wenn man etwas zu dick, nicht so reich, im Moment Single oder grad krank ist!

Besonders schlimm erleben es ehemalige Kursteilnehmer oder "Follower" von Erfolgsgurus, die ihnen weismachen wollten, dass alle misslichen Umstände nur aufgrund von negativen Glaubenssätzen entstanden sind und dass sie mit neuen, positiven Glaubenssätze ihr Leben verbessern könnten!

Meiner Erfahrung sind die Dinge etwas komplexer! Wir Aussenstehenden kennen zum Beispiel nicht die karmischen Lektionen unserer Mitmenschen! Die Seele hat sich ja oft unangenehme Lebens-Umstände ausgesucht -eine Wirkung des Gesetzes der Polarität und der Dualität hier in unserer verdichteten 3D-Realität-, um gewissen Lernerfahrungen anzustoßen! Ich habe dazu bereits einen Artikel verfasst!

Was das Herbeiwünschen von irdischen Genüssen wie Reichtum und Erfolg, eine Partnerschaft und andere Wunschvorstellungen unseres Wunsch-Kultes anbelangt: diese zielen jedoch in den meisten Fällen oftmals auf die Ergebnisse in der physischen Realität ab! Geld, eine Partnerschaft, Erfolg durch ein tolles Business usw. Doch sind es die äusseren Dinge die dauerhaft Glück bescheren? Ich habe oft erlebt, wie unterdurchschnittlich verdienende Menschen oftmals mehr Glück und Freiheit empfinden als schwerverdienende. Vielleicht wissen manche Menschen bestimmte Werte mehr zu schätzen, wenn sie in ihrem Inneren angelegt sind und nicht unbedingt nur in der physischen Realität!

Eine gelungene Partnerschaft kann nur zufriedenstellend sein, wenn du dich zuallererst selbst lieben kannst. Freiheit im Aussen kann nur dann erfolgen, wenn du innere Bindungen zuerst loslässt. Fülle und Reichtum müssen auch nicht unbedingt mit Geld zu tun haben - beides dürfen wir lernen, in unserem Inneren zu finden, denn wenn wir es da nicht haben, bleibt auch die äussere Fülle nicht lang in unserem Leben! (Viele Lottomillionäre erfreuen sich laut Berichten nur kurz an Reichtum, innerhalb weniger Monate ist bei den Meisten das Geld wieder weg!)

Meine abschließende Zusammenfassung aus all diesen Beobachtungen und Erfahrungen ist:

Lassen wir uns nicht verführen, Veränderung auf der äusseren Ebene zu suchen und zu erstreben! Versuchen wir unser Leben genauso anzunehmen, wie es jetzt gerade ist, - es wird schon einen Grund haben, warum es genau so ist! Die große Intelligenz des Universums irrt nicht! Setzen wir uns mit unserer Innenwelt zusammen, mit unserer emotionalen Welt: was gibt es da zu verstehen, anzunehmen, zu erleben und zu entwickeln? Wenn wir uns im Badezimmerspiegel nicht ansehen können dann geht es kaum darum, anders sein zu müssen, sondern zu lernen, uns so anzunehmen wie wir sind! Wenn wir ein Mangelgefühl spüren sind wir aufgefordert, die sprichwörtliche "Fülle" in uns und unserem Leben zu finden, die nicht unbedingt aus materiellen Dingen im Aussen bestehen muss! Wenn wir uns alleine fühlen, fragen wir uns, wie wir uns selbst eine angenehme Gesellschaft sein können.

Der Lohn für diese Art von "Selbst-Achtsamkeit" kann sein, dass sich das, wie wir mit uns umgehen, vielleicht auch mal im Aussen wiederfinden. Wen wir uns selbst lieben, dann finden wir auch Menschen, die uns liebenswert finden und entsprechend mit uns umgehen. So wäre nämlich die Arbeitsweise des Hermetischen Gesetzes "Wie Innen, so Aussen".

Wir dürfen aber auch lernen, das anzunehmen, wenn etwas nicht in unser Leben kommt, das wünschenswert erscheint. Wir kennen nicht die Hintergründe, und so ist es vielleicht Manchen beschieden, ein Leben in Reichtum zu führen, anderen dafür nicht. Jeder Mensch hat hier eine andere Mission, ein anderes "Drehbuch des Lebens", und wir kennen auch nicht die Hintergründe der Menschen, die wir vielleicht jetzt beneiden könnten. Achten wir lieber darauf, unser Leben mit größtmöglicher Anerkennung für alles, was uns geschenkt wurde, zu führen. Den Jetzt-Moment anzunehmen als die bestmögliche Variante aller Möglichkeiten, die das Leben für uns bereithält. Mit Vertrauen in das Leben davon ausgehen, dass alles genau richtig ist, wie es im Moment ist. Denn morgen kann es schon wieder anders sein, denn alles ist im Fluß der Veränderung.

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